☆ We want the profession of sex work to be de-stigmatized and valued ☆

Leider gibt es immer noch viele falsche und verletzende Stereotypen über Sexarbeit und gleichzeitig passieren schreckliche Dinge in der Branche.

So muss es und sollte es nicht sein. Es gibt vor allem Männer, die meinen, sich mit Geld alles kaufen zu können. Das ist aber falsch!

Meiner Meinung nach kann man aktuell nicht einfach für oder gegen

Prostitution sein, denn die Lage ist unübersichtlich. Die Branche ist systematisch riskant für die Prostituierten gestaltet, das lässt sich aber ändern.

Die Berufsbezeichnung „Sexworker*in“ in der Gesellschaft muss neu etabliert und definiert werden. Und es ist unerlässlich mehr Aufklärungsarbeit in Geschlechterkonstellationen, Beziehungen, Lebensweisen und Sexualitäten in die Bildung von Jugendlichen zu leisten und Prostitution in Zukunft viel sicherer zu gestalten. 

Sex-Work, was ist das eigentlich genau?

Fangen wir mit der aktuellen Definition von Sexarbeit an: Der Begriff steht für sexuelle Dienstleistungen, also für bezahlte Tätigkeiten in der Sexindustrie, insbesondere in der Prostitution, aber auch als Stripper*in, Domina/ Dom und Pornodarsteller*in.

In Abgrenzung zur Prostitution ist der Begriff „Sexarbeit” positiver konnotiert und betont, dass es sich um Arbeit handelt. Das sich diese Bezeichnung etabliert hat, haben wir Carol Leigh, auch bekannt unter dem Künstlername Scarlot Harlot, zu verdanken. Sie war eine amerikanische Filmemacherin und Aktivistin für Rechte von Prostituierten.

Das Wort 'Prostitution' kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie 'sich zur Schau stellen'. Es bezeichnet die Zurverfügungstellung sexueller Handlungen gegen Entgelt. 

Prostitution ist das älteste Gewerbe der Welt und ich denke, dass es, ob legal oder illegal, immer existieren wird. Wenn sie jedoch nicht freiwillig ausgeübt wird, handelt es sich um Zwangsprostitution, Zuhälterei, Ausbeutung oder sogar Menschenhandel. Und das verstößt gegen unsere Grundrechte.

Schauen wir kurz in die Vergangenheit: Die Ausübung der Prostitution war in Deutschland seit 1927 nicht verboten, galt jedoch als sittenwidrig und gemeinschaftsschädlich. Im Januar 2002 trat das Prostitutionsgesetz in Kraft.

Die deutsche Politikerin Irmingard Schewe-Gerigk vom Bündnis 90/Die Grünen war der Überzeugung, dass die Legalisierung wesentlich zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Prostituierten beitragen wird.

Ab 2002 sollte Prostitution also mit dem Gesetz entkriminalisiert und gesellschaftsfähig gemacht werden. 

Sexworker*innen können sich seitdem gesetzlich sozialversichern, d.h. Renten-, Unfall-, Pflege-, Arbeitslosen- und Krankenversicherungen abschließen und sind damit auch steuerpflichtig.

In einem Urteil vom 6. Mai 2009  hat das Bundessozialgericht festgestellt, dass das Pro-Gesetz dem Schutz der Beschäftigten und nicht der Förderung des Gewerbes dient. Demnach können Bordellbetreiber nicht von der Bundesagentur für Arbeit die Weitervermittlung von Prostituierten beanspruchen. Wäre es aber nicht eventuell schlauer reguliert zusammenzuarbeiten?

Am 1. Juli 2017 trat das neue Prostituiertenschutzgesetz in Kraft.

Es sieht vor, dass sich Sexarbeiter/innen bei ihrer Kommune registrieren und regelmäßig gesundheitlich beraten lassen sollen. Darüber hinaus wurde eine bundesweite Kondompflicht festgelegt. Sollte das Kondom mit Absicht entfernt worden sein, wird man die Person wegen Körperverletzung anzeigen!

In Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg gibt es Sperrbezirke. Sexarbeiter/innen gelten als normale Erwerbstätige in Deutschland, Österreich und den Niederlanden.In Ägypten, Mauretanien und im Sudan gibt es ein Verbot der Prostitution. Sie wird mit Freiheits- und Todesstrafe verurteilt.

In Frankreich, Schweden und Irland gilt das „Nordische Modell“.

Dieses bezeichnet eine  asymmetrische Kriminalisierung, d.h. dass nicht die Person, die sexuelle Dienstleistungen anbietet, bestraft wird, sondern der Kunde. 

Es ergibt meines Erachtens keinen Sinn, eine Dienstleistung zu legalisieren, aber ihre Inanspruchnahme zu verbieten.

Eine Studie aus dem Jahr 2021 zeigt die Verteilung der Vergewaltigungen in den EU-Mitgliedstaaten. Erstaunlich ist, dass gerade die Länder, in denen das nordische Modell angewandt wird, an der Spitze stehen.

Hier meine Vision von Sexwork:

Sexarbeit ist eine bezahlte Tätigkeit, bei der Zeit mit Kunden und oder Kund*innen in einem sicheren Raum oder in der Öffentlichkeit verbracht wird, ohne dass eine sexuelle Interaktion stattfinden muss. 

Sexarbeiter/innen in der Prostitution haben individuelle Preislisten mit einem Zeitsatz und möglichen Dienstleistungen, die sich je nach Interesse des Sexworkers oder der Sexworker*in ändern kann.

Wünsche und Vorstellungen von Kund*innen werden im Vorfeld besprochen und die jeweiligen Preise dann eingehalten.

Es ist wichtig, den KundInnen deutlich zu machen, dass Wünsche und Dienstleistungen aus dem aktuellen Angebot nicht zwingend erfüllt werden müssen, solange der Sexworker oder die Sexworker*in keine Freude daran hat.

Sollte es zu einer Enttäuschung auf Seiten der KundInnen kommen, kann man anbieten, den Termin zu beenden und einen finanziellen Kompromiss zu finden. Bei einem Termin zahlt die Kundin bzw. der Kunde im Voraus eine Anzahlung für die gebuchte Zeit. Wenn weitere Dienstleistungen in Anspruch genommen werden oder die Zeit verlängert wird und alle Beteiligten damit einverstanden sind, wird dies zu einem späteren Zeitpunkt in Rechnung gestellt. Alle beteiligten Personen sollen Spaß an der Sache haben und sich gegenseitig um ihr Wohlbefinden kümmern. Sexarbeiter*innen sollten ihre Arbeit gerne tun und in der Lage sein, Nein zu sagen.

Dass der Beruf der Sexworker*innen entstigmatisiert wird und mehr

Wertschätzung bekommt, ist mein größter Wunsch.

Schließlich ist es ein sehr spannender Beruf und viel mehr als nur Sex.

Man gibt Menschen einen Raum, in dem sie ihre Triebe ausleben können, in dem sie sich aber auch von gesellschaftlichen Zwängen und Normen befreien

können. Natürlich respektvoll und nach Absprache.

In Deutschland können momentan Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter auf

selbstständiger Basis arbeiten.  Aber die Zukunft sieht nicht rosig aus, denn Prostitution ist zwar legal, aber sehr unorganisiert, chaotisch und immer noch

sehr kriminell, vor allem wenn man sich die Straßenprostitution anschaut, die

ja auch „freiwillig“ ausgeübt wird. 

In dem Buch “ENTMENSCHLICHT - Warum wir die Prostitution abschaffen müssen” beschreibt Huschke Mau, eine ehemalige Sexarbeiterin, die durch tragische Lebensumstände in diesen Beruf geraten ist, dass dieser Beruf der einzige ist, bei dem der “Kunde” von unerfahrenen Dienstleister*innen profitiert. Es gibt eine Reihe von Gegnern, die daher die Prostitution abschaffen wollen, und das Nordische Modell in Deutschland begrüßen würden.

Mein Standpunkt sieht folgendermaßen aus, neue Maßnahmen müssen

eingeführt werden:

Staatlich anerkannte Ausbildungsgänge, nach der 10. Klasse

und nach Vollendung des 18. Lebensjahr gesellschaftlich als selbstverständlich angesehen sein. 

Es geht darum, Ausbildungen für SexarbeiterIn zu fördern, mit

BordellbetreiberIn und dem Staat als System zusammenzuwirken, Hygiene-

und Sicherheitsstandards zu regulieren und Ausstiegsmöglichkeiten für

Menschen zu bieten, die vor allem nicht selbstbestimmt in der Sexarbeit tätig

sind. Sollte dies zu einem Verbot der Straßenprostitution führen, tut es mir

leid für alle, die mit ihr zufrieden sind. Dennoch muss die Sexindustrie deutlich sicherer organisiert werden! 

Das Ziel ist, dass Sexworker*innen mehr Anerkennung und Wertschätzung für ihre Arbeit erhalten  und eben kein Bedauern und keine Ausgrenzung erfahren.

Erstrebenswert ist die gesellschaftliche Gleichstellung einer Buchung einer/s Prostituierten mit beispielsweise einer kosmetischen Behandlung, sodass Kund*innen zum Beispiel in der Öffentlichkeit keine Scham für Buchungen verspüren und das Thema Sexkauf folglich enttabuisiert wird.

In den letzten Monaten habe ich das Projekt “Still that Angel Club” ins Leben

gerufen. Mein Modelabel steht für starke und selbstbestimmte

Personen,  die ihre Sexualität zelebrieren. Für Menschen egal welchen

Geschlechts, Alters, sexueller Orientierung oder Nationalität. Wir sind „Engel“, weil wir auch Sexworker*innen sind.


There are still many false and hurtful stereotypes about sex work, and

terrible things happen in the industry, such as people who work under

the system of pimping.

Unfortunately, some men believe that money can

buy everything.

This attitude is wrong! These problems must be confronted!

I find it difficult to take a clear position for or against prostitution given

the current situation of sex work. It can be empowering but also

objectifying. It's not about demoralizing the profession, it's about

establishing it in society.

In addition, there needs to be more educational work on gender identity, healthy relationships, freer and more self-determined lifestyles and sexualities.

Everyone should develop their own moral and ethical values and position themselves as a responsible member of society.

The goal is to make prostitution safer and more secure in the future.

Sex work - what exactly is it?

Let's start with the current definition of sex work: The term stands for

paid services in the sex industry, especially prostitution, but also a

stripper, dominatrix, or porn actress counts as a sex worker.

In contrast to prostitution, the term "sex work" has a more positive connotation.

It emphasizes that it is work. We thank Carol Leigh, also known as Scarlot Harlot, for establishing this term. She was an American filmmaker and sex wokers’ rights activist.

The word “prostitution” comes from Latin and means "showing“ it refers

to the provision of sexual acts for payment. Prostitution is the oldest

trade in the world and I think that it will always exist, whether legal or

illegal. But when prostitution is not voluntary, it is forced prostitution,

pimping, exploitation or even human trafficking. It goes against our

fundamental rights.

Let's look at the past: Prostitution has not been illegal in Germany since

1927 but it was still considered immoral and harmful to society.

In January 2002, the law on prostitution came into effect. German politician

Irmingard Schewe-Gerigk of Bündnis 90/Die Grünen was convinced that

legalization would make a significant contribution to improving the living

and working conditions of prostitutes. Therefore, prostitution should be

decriminalized by law and was made socially acceptable by 2002.

Sexworkers were able to take out social insurance, including pension,

accident, nursing care, unemployment, and health insurance. This means

that sex workers are required to pay taxes. On May 6, 2009, the Federal

Social Court ruled that the law was intended to protect workers and not

to promote the industry. As a result, brothel owners cannot acquire the

employment of prostitutes from the Federal Employment Agency.

On July 1, 2017, the new law on the protection of prostitutes came into

practice. It requires sex workers to register with their local government

and undergo regular health counseling. In addition, a countrywide

condom obligation has been introduced. If the condom is intentionally

removed by the client, they will be charged with sexual assault. There are

restricted areas in Bavaria, Thuringia, and Baden-Württemberg.

Sexworkers are considered regular employees in Germany, Austria, and the

Netherlands. In Egypt, Mauritania, and Sudan, prostitution is prohibited

and punishable by imprisonment or the death penalty.

The so-called 'Nordic model', is an asymmetrical criminalization and

means that it is not the person offering sexual services who is punished,

but the client. This model is used in France, Sweden, and Ireland.

Legalizing a service but prohibiting its use makes no sense, in my opinion.

A study from 2021 shows the distribution of rapes in the EU member

states. Surprisingly, the countries where the Nordic model applies are at

the top of the list.

Here is my idea of sex work:

Sex work is a paid activity that involves spending time with clients in a

safe space or in public, without the obligation of having sexual

intercourse. Each sex worker has individual price lists with time rates and

possible services, which can change depending on the sex worker's

interests. Wishes and expectations of the clients should be discussed in

advance and the prices then set and are to be followed. It is important to

make it clear to customers that services do not necessarily have to be

fulfilled if the sex worker does not feel like it. If the customer is

disappointed, you can offer to end the appointment and find a financial

compromise. In the arrangement, the client pays a deposit in advance for

the time booked. If extra services are used or the time is extended and all

parties agree, this will be charged at a later stage. Everyone involved

should enjoy themselves and take care of each other. Sex workers should

enjoy their work and be able to say no.

My biggest wish is that sex work as a profession is destigmatized and

appreciated. After all, it is a very exciting profession and much more than

just sex. You give people a space where they can live out their desires, but

also free themselves from social constraints and norms, respectfully and

by arrangement, of course.

At the moment, many sex workers in Germany are able to work on a self-

employed basis, but the future does not look bright. Prostitution may be

legal, but it is very unorganized, chaotic, and still criminal, especially if

you consider street prostitution, which is also "voluntary". In the book

"ENTMENSCHLICHT - Warum wir die Prostitution abschaffen müssen",

Huschke Mau, a former sex worker, who ended up in this profession due

to tragic life circumstances, describes that this profession is the only one

in which the customer benefits from inexperienced service providers.

Several opponents want to abolish prostitution and would welcome the

Nordic model in Germany.

Here are some of my visions for sex work:

State-recognized training courses on prostitution after the 10th grade

and after the age of 18. The idea is to promote education for sex workers,

cooperation between brothel owners and the state, regulate hygiene and

safety standards and provide exit options for people who are not self-

determined in sex work. If this leads to a ban on street prostitution, I am

sorry for all those who are happy with it. Nevertheless, a fair renewal

should be introduced.

The aim is that the job continues to be presented in a better light, be way

much safer, and for sex workers to receive appreciation for their work

and no pity and exclusion. 

Over the past few months, I have launched a project called "Still that

Angel Club". With my fashion label, I want to stand for strong and self-

determined people who celebrate their sexuality. Regardless of gender,

age, sexual orientation, or nationality. One of the reasons why we are

"Angels" is that we are also sex workers. 


Carol Leigh *1951 †2022